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Zur Bedeutung der Sternenlehre in den Rezensionen des Bundahišn und für deren historische Beurteilung

Götz König


Seiten 53 - 111

DOI https://doi.org/10.13173/SST.2.1.053




Ausgehend von der Beobachtung eines astrologischer Weltbeschreibung gegenüber unterschiedlichen Verhaltens der beiden auf uns gekommenen Rezensionen des Bundahišn vertritt der nachstehende Artikel die Position, daß das generelle (philologisch allerdings schwierig zu bestimmende) Verhältnis von GrBd und IndBd ein später Ausdruck jener theologischen Ambivalenz bzw. Spannung ist, die seit den Gāϑās die Geistesgeschichte des Zoroastrismus dirigiert, und die in der Frage sich zusammenfassen läßt, ob der (sog. ethische) Dualismus eine ‘Perspektive’ auf das Sein (ahu) darstellt, das Böse ‘subjektiv’ dessen Einheit also kommensurabel, oder ob der Dualismus zwar ‘historisch’ (zugunsten einer diversifizierten Einheit) zu beseitigen, ontologisch jedoch unhintergehbar ist. Findet vor diesem in Iran angestammten fundamentalen Problemhintergrund der internationale, auch und besonders Iran erfassende Aufstieg der Astrologie in der Spätantike statt, der diese nicht nur zu einer bedeutenden Disziplin der Wissenschaft erhebt, sondern auch aus deren Anspruch heraus ein Diskursfeld entstehen läßt, in welchem das Verhältnis der Lehren vom Außer- und Innerweltlichen, wie sie sich seit der Achsenzeit herausgebildet hatten, Gegenstand kritischer und meta-kritischer Prozesse wird, so ist es nicht gegen die historische Erwartung, daß das Feld ‘Astrologie’ sich auch für die Geschichte des Bundahišn in spätantiker bzw. frühislamischer Zeit als eines der intellektuellen Schlüssel- und Differenzmomente erweist.

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